Das Immobilien Trio der Hamburger Volksbank, Christian Okun, Frank Oetjen und Daniel Richrath (v.l.) sind sich einig: Der Finanzierungs-Hype weiter (Foto: Oliver Nimz)

Immobilienfinanzierung: 3 Tipps für Käufer

Dank des weiterhin sehr günstigen Baugelds bleibt die Nachfrage nach Immobilien enorm hoch, die Preise für Häuser und Wohnungen in der Hansestadt klettern immer weiter. Auf diese drei Dinge sollten Käufer bei der Finanzierung achten.
Das Immobilien Trio der Hamburger Volksbank – Christian Okun, Frank Oetjen und Daniel Richrath (v.l.) – ist sich einig: Der Finanzierungs-Hype geht weiter (Foto: Oliver Nimz)

Lange Schlangen bei den Besichtigungsterminen, verdeckte Bieterverfahren und vor allem: immer weiter steigende Preise – Immobilienkäufer haben es in Hamburg definitiv nicht leicht. Von 2007 bis 2018 sind die Preise für Eigentumswohnungen um mehr als zehn Prozent gestiegen. Für eine Bestandswohnung werden im Schnitt 3.850 Euro pro Quadratmeter fällig, zeigt eine Studie des Immobilienverbands ZIA. Für neu gebaute Objekte sind die Preise deutlich höher, auch abseits der Top-Viertel.

„In Barmbek-Süd kostet der Quadratmeter Wohnfläche eine Neubau-Eigentumswohnung bis zu 6.500 Euro“, sagt Christian Okun, der den Bereich Unternehmenskunden bei der Hamburger Volksbank leitet und damit auch für das Bauträgergeschäft zuständig ist. „Wer sich also eine 100-Quadratmeter-Wohnung kaufen möchte und vielleicht noch eine neue Küche und ein paar Möbel dazu, der ist schnell mit einer Dreiviertelmillion Euro dabei.“ Derart hohe Preise halten Käufer jedoch nicht ab. Die Nachfrage ist weiterhin enorm.

Ein wichtiger Grund: Die seit geraumer Zeit historisch niedrigen Zinsen für Hypothekendarlehen. Das „Immobilien-Trio“ der Bank – dazu gehört neben Okun auch Baufinanzierungsleiter Frank Oetjen sowie Daniel Richrath, Geschäftsführer der Hamburger Volksbank Immobilien GmbH – sind sich einig: „Bleiben die Zinsen weiterhin auf der Nulllinie, wird sich an dem Finanzierungs-Hype kaum etwas ändern.“

Ohne Eigenkapital keine Immobilie

Das günstige Baugeld stellt zugleich eine große Verlockung dar: Warum sollten Käufer mühselig Kapital ansparen, wenn es billige Kredite gibt? Doch vor 100-Prozent-Finanzierungen warnen die Experten. „So etwas machen wir nicht. Das wären amerikanische Verhältnisse“, erklärt Baufinanzierungs-Spezialist Oetjen. Das Problem: Sollten die Zinsen in einigen Jahren wieder spürbar steigen, steigt das Risiko, dass die Käufer die Raten nicht mehr zahlen können.

Zudem sollte bei der Finanzierung darauf geachtet werden, die Tilgung möglichst hoch anzusetzen. Eine Tilgungsrate von nur einem Prozent reduziert zwar die monatliche finanzielle Belastung. Auf der anderen Seite wächst der Finanzierungszeitraum damit schnell auf 60 oder gar 70 Jahre. „Das ist keine Basis für seriöse Verträge“, stellt Oetjen klar.

Tipp Nummer drei: Auf Experimente und überhastete Entscheidungen sollten Immobilienkäufer bei der Finanzierung verzichten. Eine grundsolide Planung ist eine wichtige Voraussetzung, um später Ärger, Stress und vor allem unnötige Kosten zu vermeiden.

Neubau kann Jahre dauern

Mit einer deutlichen Entspannung am Immobilienmarkt ist vorerst nicht zu rechnen. Was sich aber ändert sind die Zeitspannen bei der Planung und dem Bau der Objekte. Häufig sichern sich die Investoren zunächst das Grundstück, dann warten sie auf die Baugenehmigung, dann beauftragen sie den Hochbau und schließlich beginnt die Vermarktung, also der Verkauf der Wohnungen. Durch die schlechte Verfügbarkeit von Handwerkern und die mitunter langen Verfahren bei den Genehmigungsbehörden zieht sich der Neubau immer häufiger in die Länge. „Das kann zum Teil Jahre dauern“, sagt Unternehmenskunden-Leiter Okun.

Hamburg sollte seinen Blick viel stärker auf die Metropolregion richten

Wie ließe sich der Wohnungsnotstand bekämpfen? „Hamburg sollte seinen Blick viel stärker auf die Metropolregion lenken, also auch auf das benachbarte Umland“, schlägt Okun vor. Wenn es gelänge, die Infrastruktur auszubauen, dann könnten die Menschen sich dort niederlassen. „Wer bezahlbaren Wohnraum schaffen will, kommt an dieser Lösung nicht vorbei.“

Auf die Immobilienexpertise der Hamburger Volksbank müssen die Menschen im Umland nicht verzichten. „Wir sind eine Bank für die Metropolregion, und haben unser Geschäftsgebiet überall dort, wo der HVV hinfährt“, so die drei Experten.

Die hohe Nachfrage nach Immobilien zeigt sich auch in der Bilanz der Hamburger Volksbank: Im vergangenen Jahr legte das Kreditvolumen um zwölf Prozent auf etwa zwei Milliarden Euro zu. Die Hälfte davon entfällt auf Unternehmens- und Bauträgerfinanzierungen. Die Bilanzsumme stieg auf 3,5 Milliarden Euro. „Uns ist sehr bewusst, welche Geschäfte wir zurzeit machen. Aber wir sind vorbereitet und haben beispielsweise die Risikoeinschätzung noch einmal angepasst“, sagt Okun.

Der 39-Jährige hat die Position des Unternehmenskunden-Leiters seit dem 1. März von seinem langjährigen Vorgänger Wolfgang Voß übernommen, der in den Ruhestand gegangen ist.