Eindruck machen

Neugierig: Nils Wülker lässt sich gern von neuen Eindrücken faszinieren.
NILS WÜLKER, TROMPETER UND KOMPONIST, ist einer der erfolgreichsten deutschen Jazzmusiker. Zwölf Jahre lang hat er in der Hansestadt gelebt, die er auch heute noch im Herzen trägt: Wülker ist regelmäßig in Hamburg zu Gast – auch wegen Elbjazz.
Neugierig: Nils Wülker lässt sich gern von neuen Eindrücken faszinieren.

 

Herr Wülker, Sie sind in Bonn geboren und haben in Berlin studiert. Was verbindet Sie mit Hamburg?
Ich bin nach dem Studium nach Hamburg gekommen, habe mir hier mein Publikum erspielt und alle meine wichtigen Karriereschritte gemacht. Ich mag die Stadt, weil sie so unaufgeregt ist, und sie war musikalisch ein guter Boden. Insgesamt habe ich zwölf Jahre hier verbracht, und auch wenn ich nun in München lebe, ist die Verbindung zu Hamburg weiterhin stark: Meine Band ist hier, mein Management, meine Plattenfirma, meine Booking-Agentur – und ich mache hier ja auch meine Radiosendung.

NILS WÜLKER: Der 1977 geborene Trompeter wurde mit dem ECHO Jazz als „Instrumentalist des Jahres“ und dem German Jazz Award in Gold ausgezeichnet. Für seine fünf Alben arbeitete er mit zahlreichen namhaften Künstlern zusammen.

Untrennbar mit meiner Hamburger Zeit verbunden ist natürlich auch Elbjazz. Ich war von Anfang an dabei – die Organisatorinnen Tina Heine und Nina Sauer hatten mich damals angesprochen, weil ich bereits als Jazzmusiker einen Namen in der Stadt hatte. Aus 20 Minuten Kaffeetrinken sind dann zwei Stunden geworden – sie mochten meine Musik, und ich fand die Idee super. Denn viele Leute haben von Jazz ja eine eher diffuse, aber trotzdem ablehnende Vorstellung. Die einen denken an Dixieland, die anderen an Free Jazz, und alle denken „Das ist nix für mich“. Bei Elbjazz kann das Publikum die ganze Bandbreite von Jazz kennenlernen und erfahren, dass Jazz genauso vielseitig ist wie zum Beispiel Rock/Pop – ein Genre, das wohl niemand kategorisch ablehnen würde. Die Verbindung mit dem Hafen ist zudem so urhamburgisch und hat viele Leute zum Festival gelockt. Heute haben auch nicht besonders Jazz-Affine Elbjazz auf dem Schirm – das ist eine große Chance für die Musik. Und natürlich bin ich auch in diesem Jahr wieder selbst dabei.

Wie kamen Sie zum Jazz?
Ich habe den Jazz erst im Alter zwischen 15 und 16 Jahren entdeckt. Davor habe ich klassisch Klavier und Trompete gespielt und privat Pop gehört. Mit der Acid-Jazz-Welle in den 90ern habe ich gemerkt, dass die Trompete auch in anderen musikalischen Zusammenhängen vorkommt. Und dann habe ich das erste Mal Miles Davis gehört: Das war eine Initialzündung, die für mich das Musikgenießen und das Musikmachen zusammengebracht hat.

Haben Sie Vorbilder?
Ich bewundere Miles Davis. Nicht nur weil er auch Trompeter war, sondern weil er lange auf der Suche war. Er hat sich immer wieder neu erfunden, als Künstler über eine unglaubliche Visionskraft verfügt und auch immer tolle Leute zusammengebracht. Und dann ist da sein unverwechselbarer Ton. Das ist ja etwas, was jeder Künstler erreichen möchte: Man hört einen Ton und weiß: „Das ist er“. Generell finde ich es inspirierend, wenn sich jemand einer Sache um ihrer selbst willen widmet – egal in welchem Lebensbereich. Unsere Gesellschaft ist ja leider oft nicht besonders unterstützend, sondern auf Erfolg fixiert.


Jazz war und ist ein musikalischer Schmelztiegel. Seine Bandbreite ist unglaublich spannend

 

Sie arbeiten oft genreübergreifend, etwa mit Max Mutzke oder mit Hip-Hopper Marteria. Was ist die Faszination daran?
Duke Ellington hat einmal gesagt: „Es gibt nur zwei Arten von Musik – gute und schlechte.“ Ich bin zudem nicht nur mit Jazz aufgewachsen und lasse mich immer wieder von Neuem begeistern. Wenn mir irgendwas begegnet, das mich fasziniert, versuche ich gleich, ob und wie ich das in meine Musik mit einbringen kann. Jazz ist noch eine relativ neue Kunstform und damit wie ein Katalog, der immer weiterwächst. Ich fühle mich überhaupt nicht außerhalb der Jazztradition, denn das Wesen des Jazz ist und bleibt ein Schmelztiegel. Zu Beginn kamen die größten Einflüsse aus der afrikanischen Musik, in den 50ern kam der Bossa Nova dazu, in den 70ern der Jazz-Rock. Jazz hat also schon immer über den Tellerrand geschaut.

Was war Ihr bisher schönster Konzertmoment?
Vor einigen Jahren haben wir das erste Mal in Dänemark gespielt. Wir sind als unbeschriebenes Blatt vor das Publikum getreten und wurden mit Standing Ovations verabschiedet. Das war ein Moment, in dem klar zu merken war, wie die Musik die Menschen berührt. Wenn eine solche Verbindung zum Publikum da ist, spürt man die universelle Sprache der Musik. Und auch beim Musizieren: Als ich mit Omara Portuondo vom Buena Vista Social Club auf Tour war, gab es eine totale Sprachbarriere, aber auf der Bühne spielte das keine Rolle. Was sind Ihre nächsten Projekte? Ich habe keinen Masterplan, sondern lasse mich immer wieder von null an von etwas inspirieren. Im Moment sind wir dabei, ein Live-Album aufzunehmen – und dann hoffe ich natürlich auf mein erstes Konzert in der Elphi! (lacht)

 

Mehr zu Nils Wülker unter www.nilswuelker.de