Bertini-Preis 2019: Auszeichnung für Zivilcourage und gegen Rechtsextremismus (Foto: Carsten Thun)

Bertini-Preis: Kreatives Gedenken

Hinschauen, wenn andere wegsehen: Das ist heute vielleicht wichtiger denn ja. Die vier Projekte, die jetzt mit dem Bertini-Preis für junge Menschen mit Zivilcourage ausgezeichnet wurden, tun dies – jedes auf seine ganz eigene Weise.
Bertini-Preis 2019: Auszeichnung für Zivilcourage und gegen Rechtsextremismus (Foto: Carsten Thun)

Der 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. In Hamburg wird an diesem Tag seit 1989 der Bertini-Preis an engagierte Jugendliche verliehen. „Der Preis verbindet die Erinnerung an diese schreckliche Vergangenheit mit der Zukunft, indem die Jugendlichen, die sich heute für Zivilcourage und gegen Rechtsextremismus einsetzen, gewürdigt werden“, fasste es Kirsten Fehrs, Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, bei der diesjährigen feierlichen Preisverleihung im Ernst-Deutsch-Theater zusammen. Vier Projekte von Schülerinnen und Schülern wurden ausgezeichnet:

„Wir wären alle nicht hier“ – ein Theaterprojekt der Profilklasse 9c der Ida-Ehre-Schule – bringt die Menschenrechte auf die Bühne und zeigt nicht zuletzt durch das Ensemble aus 21 Inklusions- und Nicht-Inklusionsschülerinnen und -schülern eindrucksvoll deren große Bedeutung für unser heutiges freiheitliches Leben.

Ein Wikipedia-Eintrag, ein Dokumentarfilm und eine Initiative zur Verankerung der Behandlung des KZ-Außenlagers Neugraben im Lehrplan – das Projekt der 19 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Süderelbe hat sich das Gedenken an die 500 jüdischen Zwangsarbeiterinnen, die nur einen Kilometer von ihrer Schule entfernt unter menschenunwürdigen Bedingungen ausgebeutet wurden, zur Aufgabe gemacht.

Erinnerungskultur per Musical – das ist den 27 Schülerinnen und Schülern der Profilklasse Musik und Theater an der Stadtteilschule Bergedorf eindrucksvoll gelungen. Sie thematisieren die Geschehnisse im Kinderkrankenhaus Rothenburgsort, in dem während der NS-Zeit mindestens 56 behinderte beziehungsweise kranke Kinder im Rahmen des Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten ermordet wurden.

In der Jetztzeit ist das Theaterstück „Halimahs Erwachen – lieber tot als ehrenlos“ angesiedelt. Den 30 Schülerinnen und Schülern des Wilhelmsburger Helmut-Schmidt-Gymnasiums geht es darin um Frauen- und LGBT-Rechte sowie um Rassismus und Migration.

Zum Video in der NDR-Mediathek.

Die Preisträger wurden aus insgesamt 22 Bewerbungen ausgewählt. Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher zeigte sich von den Projekten berührt und beeindruckt und warnte vor aktuell wieder populärer werdenden antisemitischen, islamfeindlichen und ausgrenzenden Tendenzen: „Hamburg ist eine internationale, solidarische und vielfältige Stadt“, dafür – und für ihre Zukunft – motivierte er die Schülerinnen und Schüler, sich weiterhin einzusetzen.

Die Hamburger Volksbank gehört seit vielen Jahren zu den Förderern der Auszeichnung.